16. Februar 2012

Ihre Schwester für meinen Mann!

Anlässlich seines 25-jährigen Todestages fand am 29.4.2005 in der Kunsthalle in Hamburg eine Alfred-Hitchcock-Retrospektive statt. Mit „Zwei Fremde im Zug“ sollte die Filmnacht eröffnet werden.
Wie ein Fels in der Brandung stand Museumsdirektor Dr. Reichmann stoisch im Foyer und trennte die hineinströmende Flut der Besucher in zwei Teile. Ängstlich hatte sich seine Frau bei ihm untergehakt. Nur wenn ihr Mann seine Hand ausstreckte, um einen ausgewählten Gast zu begrüßen, löste sie ihren Griff.
„Georg“, raunte sie ihm leise zu, „das hier ist keine Kunst, das ist eine Massenveranstaltung!“
„Du bist eine der Wenigen, die Hitchcock nicht für einen Künstler halten, Heda!“
„Einen Regisseur von Mord und …“
„Eins, zwei, drei die Polizei!“ Mit einem angedeuteten Bückling streckte Herr Reichmann einer sportlichen Frau um die vierzig die Hand entgegen. „Wie schön Sie begrüßen zu dürfen, Frau Hauptkommissarin Mansur!“ Angestrengt lächelnd schüttelte auch seine Frau der Polizistin die Hand.
„Georg! Musst du denn herausbrüllen, dass du jemanden von der Polizei kennst?“, fragte Frau Reichmann mit unverhohlenem Missmut, nachdem sich die Hauptkommissarin von ihnen entfernt hatte.
„Wieso denn nicht? Immerhin hat sie uns geholfen den Picasso wiederzubekommen!“
„Ach so, Raubdezernat!“, sagte seine Frau erleichtert.
„Nicht mehr, Heda, nicht mehr.“
„Was dann?“
„Rate selbst. Warum habe ich Frau Mansur wohl zu einem Hitchcockabend eingeladen?“
„Du meinst doch wohl nicht …“
„Achtung, da kommt die Scheidungskönigin der Stadt!“
Zielstrebig kam eine Frau in einem auffallenden, roten Abendkleid auf den Museumsdirektor zu.
„Dr. Reichmann! Dr. Reichmann! Welch eine absolut wunderbare Idee!“, rief Frau von Plizewitz-Ebentreu durch das Foyer, während sie mit weit offenen Armen auf ihn zuging. „Alfred Hitchcock! Ich liebe ihn. Pablo, Caspar David und Hitch. Wunderbar genial!“ Ohne sich um seine ausgestreckte Hand zu kümmern, hauchte Frau von Plizewitz–Ebentreu ihm zwei Küsse auf die Wangen und streckte seiner Frau ihre Hände entgegen. „Und das muss die entzückende Madame Richman sein!“ Irritiert löste sich Frau Reichmann von ihrem Mann und trat hastig einen Schritt zurück. Erschrocken bemerkte sie, dass sie einer Frau, die hinter ihr stand, auf den Fuß getreten war.
„Oh, entschuldigen Sie bitte, ich …“
„Ach, Sie müssen sich doch nicht entschuldigen!“, wiegelte Frau von Plizewitz-Ebentreu ab. „Meine kleine Schwester ist es gewohnt, übersehen zu werden.“
Ohne ihren Affront zurückzunehmen, machte sie das indignierte Ehepaar mit ihrer Schwester Frau Brandenburg bekannt. Währenddessen blieb ein Paar um die Fünfzig wartend in Hörnähe stehen. Die Frau beobachtete das ungleiche Geschwisterpaar interessiert, als es sich abwandte und zusammen in den Zuschauersaal ging. Für einen kurzen Moment hielt die jüngere der Beiden inne und warf ihnen über die Schulter einen Blick zu.
„Heda, darf ich dir vorstellen, Herr Bebensee, unser Abteilungsleiter für…“
„Georg, selbstverständlich weiß ich, was Herr Bebensee macht!“ Lächelnd reichte sie dem Mitarbeiter ihres Mannes die Hand.
„Guten Abend, Frau Reichmann. Ich bin sehr erfreut, Sie kennen zu lernen!“, sagte Herr Bebensee steif, aber nicht ohne Wärme. Stumm und ohne ihre distanzierte Miene für einen Augenblick zu ändern, schüttelte Frau Bebensee die ihr entgegen gestreckten Hände.
„Wie schön auch Sie kennen zu lernen!“, meinte Herr Dr. Reichmann lächelnd. Gleichgültig drehte sich Frau Bebensee von ihnen ab und ging weiter. Nach einem entschuldigenden Blick auf seinen Vorgesetzten eilte ihr Mann ihr nach.

Eilig stellte Karen Meyer die letzten Gläser auf dem Tisch vor sich zurecht. Nach dem Ende von „Zwei Fremde im Zug“ sollten die Zuschauer Getränke im Foyer kaufen können bis eine halbe Stunde später der Film „Psycho“ anlaufen würde. Zufrieden schaute sich Karen Meyer um. Alles stand bereit, ihr blieb genug Zeit bis sie sich bereithalten musste, um die Kaltgetränke zu verkaufen. Karen Meyer liebte Alfred Hitchcock und Patricia Highsmith gleichermaßen, im Filmsaal wurde ihr beides geboten. Leise öffnete sie dessen Tür und schlüpfte in den dunklen Raum. Gebannt schaute sie auf die Leinwand.

„Wissen Sie was? Ich bringe ihre Frau um und Sie meinen Alten. Kein Mensch weiß, dass wir uns kennen – perfektes Alibi, klar? Kein Motiv. Kein Verdachtsmoment. Jeder wartet, bis der andere nicht zu Hause ist – und dann ...“

Während sich Herr Bebensee in die Schlange vor dem provisorischen Tresen einreihte, ging seine Frau in das Foyer und blieb zwischen den anderen Besuchern stehen. Unmittelbar neben ihr plauderte Hauptkommissarin Mansur mit drei Frauen. Ohne ihre Unterhaltung zu unterbrechen, traten die Frauen zur Seite, als sich zwei Männer zu Frau Bebensee gesellten.
„Darf ich vorstellen“, sagte einer der Männer, nachdem er Frau Bebensee begrüßt hatte, „Manfred Markheuer – Hendriks Frau.“
„Hendriks Frau?“, fragte Manfred Markheuer.
„Genau. Schlichtweg nur Hendriks Frau!“, antwortete Frau Bebensee schnippisch. „Die Frau Hendriks, das bin ich!“ Mit einem vernichtenden Blick auf ihren Bekannten wandte sie sich um und drängte Frau Mansur unwirsch zur Seite. Stirnrunzelnd schaute ihr die Hauptkommissarin hinterher wie sie sich einen Weg durch die Menge in Richtung der Toiletten bahnte.
Ungeduldig sah Frau Brandenburg, dass fünf Frauen vor ihr vor den Toiletten warteten. Unangenehm berührt stellte sie fest, dass ausgerechnet die Frau, die den peinlichen Auftritt ihrer Schwester beobachtet hatte, vor ihr stand. Plötzlich drehte sich die Frau zu ihr um und flüsterte: „Kommen Sie, ich weiß, wo es noch eine gibt.“
Ohne zu zögern folgte ihr Frau Brandenburg durch einen langen, verschlungenen Flur. An dessen Ende lag eine weitere Damentoilette.
„Oh, toll, keine Warterei“, sagte Frau Brandenburg erleichtert und schloss eine Kabinentür hinter sich. Als sie wieder hinaustrat, stand Frau Bebensee vor einem der beiden Waschbecken.
„Sie haben den Film auch gesehen?“
In Gedanken versunken nickte Frau Bebensee abwesend. Schweigend kämmte sie ihre Haare. Frau Brandenburg warf einen kurzen prüfenden Blick in den Spiegel. Während sie ihren Lippenstift aus der Tasche holte, sagte sie lachend: „Und, wen soll ich für Sie umbringen?“
Mit einem Schlage wandte ihr Frau Bebensee ihre volle Aufmerksamkeit zu.
„Wir beide kennen uns auch nicht! Genau wie im Film eben“, sprach Frau Brandenburg arglos weiter. „Also, wen soll ich für Sie umbringen?“
„Meinen Mann!“, antwortete Frau Bebensee prompt.
„Ihren Mann? Abgemacht, er ist schon so gut wie tot!“ Zwinkernd fügte Frau Brandenburg hinzu: „Dafür müssen Sie meine Schwester umbringen!“
„Ihre Schwester?“
„Ja. Sie ist Ihnen bestimmt aufgefallen, Martina muss immer auffallen! Lange, blonde Haare. Ihr Luxuskörper steckt heute Abend in einem roten Abendkleid von Versace! So geht sie zu einer Filmvorführung. Na ja, Martina eben.“
Ohne etwas zu sagen, nickte Frau Bebensee. Fragend sah Frau Brandenburg sie lächelnd an: „Abgemacht, Frau?“
„Abgemacht!“, antwortete Frau Bebensee. „Ihre Schwester für meinen Mann!“ Ohne zu zögern schlug sie in Frau Brandenburgs ausgestreckte Hand ein. „Ich heiße Hendriks, Frau Hendriks!“
„Mein Name ist Alexandra Brandenburg.“ Aufgedreht redete sie weiter. „Wie wird der letzte Auftritt meiner Schwester enden? Haben Sie schon eine Idee?“
„Ja. Hiermit!“ Frau Bebensee hielt Frau Brandenburg ihre geöffnete Handtasche entgegen.
„Oh, lala! Ein Pistölchen! Was haben Sie für Sachen in Ihrer Tasche, Frau Hendriks?“
„Nur zur Selbstverteidigung. Man weiß nie!“
Frau Brandenburg trocknete sich die Hände und zog unscheinbare, schwarze Samtschuhe über. „Ein Geschenk meiner Schwester. Am Liebsten wäre ihr, ich würde einen großen Ring dazu tragen. Darüber natürlich, Hauptsache man fällt auf.“
Nebeneinander gingen die Frauen den langen Flur zurück. Kurz bevor sie beim Foyer ankamen, stieß Frau Brandenburg unachtsam gegen die Schulter von Frau Bebensee. „Entschuldigen Sie!“
„Ja, nichts passiert! Also die Uhr läuft, es bleibt nicht mehr viel Zeit.“
„Genau. Wir haben eine Vereinbarung!“, antwortete Frau Brandenburg verschwörerisch. Frohgelaunt sah sie der sich entfernenden Frau Bebensee hinterher. Suchend schaute sich Frau Brandenburg im Foyer nach ihrer Schwester um. Mit einem Schulterzucken ging sie in den fast vollen Filmsaal zurück und ließ sich schmunzelnd in den Sessel zurücksinken. Einmal musste sie aufstehen, um Hauptkommissarin Mansur vorbeizulassen. Dann begann der nächste Film. Der Platz ihrer Schwester blieb leer.
Plötzlich war ein lang anhaltender Schrei zu hören. Unbeirrt schaute das Publikum weiter gebannt auf die Leinwand, nur Frau Mansur wandte sich für einen Augenblick ab. Außer den Filmgeräuschen konnte sie jedoch nichts hören und drehte sich wieder um. Heftig wurde die Tür des Filmsaals aufgerissen. Karen Meyer stand kreischend in dem Türrahmen. Hastig sprang die Hauptkommissarin auf und bahnte sich einen Weg durch die Zuschauerreihe. Hysterisch schreiend hielt ihr die junge Frau ihre blutigen Hände entgegen.
„Blut! Blut! Die Garderobe! Blut!“
Ein Blick auf die Frau in dem auffallenden roten Abendkleid sagte der Hauptkommissarin, dass sie tot war. Nur noch ein kleiner Teil des Gesichtes war zu erkennen. Sofort beorderte Frau Mansur ihre Kollegen zur Hamburger Kunsthalle, die innerhalb weniger Minuten abgeriegelt und durchsucht wurde. Die Besucher der Alfred-Hitchcock-Retrospektive, leidlich durch ein paar Worte des ebenfalls geschockten Herrn Reichmann beruhigt, mussten im Filmsaal warten bis ihre Personalien aufgenommen, sie selbst durchsucht und nach brauchbaren Informationen befragt worden waren. Erst in der späten Nacht durften sie die Kunsthalle durch einen Nebenausgang verlassen. Trotz der sofort ergriffenen Maßnahmen konnte weder ein Tatverdächtiger gestellt, noch die Tatwaffe gefunden werden. Einzig die Identität der Toten wurde sofort geklärt. Als sich die Hauptkommissarin über die Leiche gebeugt hatte, war Frau Brandenburg hinter ihr aufgetaucht. Fassungslos hatte sie geschrien: „Martina! Nein! Es war doch nur ein Scherz, Martina!“
Noch in der gleichen Nacht wurde Hauptkommissarin Mansur offiziell mit der Klärung des Mordfalls beauftragt und ein Ermittlungsteam zusammengestellt.
Vierundzwanzig Stunden nach dem Mord stand fest, dass der Täter die Zeitspanne von siebzehn Minuten zwischen den tödlichen Schüssen und der Abriegelung der Kunsthalle genutzt hatte, um sich der Tatwaffe zu entledigen. Sowohl das Gebäude als auch das angrenzende Gelände waren erfolglos abgesucht worden. Hauptkommissarin Mansur vermutete zudem, dass der Täter umgehend geflüchtet war. Ausschließen wollte sie jedoch auch nicht, dass er in die Kunsthalle zurückgekehrt war, darauf hoffend niemandem sei seine Abwesenheit aufgefallen und er somit ein Alibi geliefert bekam.
Keiner der Anwesenden in der Kunsthalle konnte einen nützlichen Hinweis geben. Aufgrund ihres auffälligen Kleides und ihrem exaltierten Gebaren war Frau von Plizewitz-Ebentreu fast jedem aufgefallen. Bis auf die Schwester und dem Sitznachbarn rechter Hand bemerkte jedoch niemand, dass sie nach der Pause nicht an ihren Platz zurückgekehrt war.
Fünf Zuschauer hatten während des Films den Saal verlassen, jeweils mindestens zwei Personen konnten bestätigen, sie seien vor den Schüssen wieder an ihren Platz zurückgekehrt. Mehrere Personen waren gar nicht zur zweiten Vorführung erschienen.
„Ich weiß, Frau Brandenburg war bereits an ihrem Platz, als ich in den Saal ging. Sie hatte den ersten Sitz in meiner Reihe. Ob sie dort allerdings die ganze Zeit über geblieben ist, kann ich nicht sagen“, meinte die Hauptkommissarin zu ihrem Kollegen Inspektor Markus Harks. „Zu dumm.“
„Ein Motiv hat sie. Sie ist die einzige lebende Verwandte. Die kleine Schwester mit dem Sekretärinnengehalt und dem miserablen Händchen fürs Geld wird die Millionen der großen Schwester erben.“
„Die Ernte aus zwei lukrativen Scheidungen und einer nicht minder erfolgreichen Witwenschaft“, ergänzte Hauptkommissarin Mansur. „Das alleine kann uns nicht als Motiv reichen, aber offenbar hatten die beiden Schwestern ein ziemlich gespanntes Verhältnis. Eine echte Hassliebe.“
„Im Moment war kein neuer Ehemann in Sicht. Da taugte die kleine Schwester als Begleiterin und durfte ein wenig Luft in der hamburger Gesellschaft schnuppern. Und die große Schwester sprang im Gegenzug für ein paar Rechnungen ein. Wie edel.“
„Aber erinnere dich, Markus, was Frau Reichmann über Frau von Plizewitz-Ebentreus Auftritt im Foyer gesagt hat. Sie hat ihre Schwester spüren lassen, dass sie ein Nichts ist.“
Am nächsten Tag verhärteten sich die Verdachtsmomente gegen Frau Brandenburg. Sie stand vor dem finanziellen Ruin und hätte einen Offenbarungseid leisten müssen, wenn ihre ältere Schwester ihr nicht unter die Armen gegriffen hätte. Die Nachforschungen im persönlichen Umfeld der Frauen ergaben, dass deren Verhältnis seit Kindesbeinen an belastet war. Mehrere Bekannte der Familie erinnerten sich, dass Frau Brandenburg ihre Aversion gegen ihre Schwester nur mit Mühe im Zaum halten konnte. Einmal hätte sie im Zorn deren nagelneuen Porsche mit einer Glasscherbe zerkratzt. Daraufhin hätte sie ihre Anstellung als Sekretärin ihres ersten Schwagers Heinrich von Plizewitz verloren. Erst nach siebenmonatiger Arbeitssuche wurde sie vom Juniorchef des Kaufhauses Falkenstein engagiert. Nach einem knappen Jahr wurde ihr Chef ihr Schwager Nummer zwei. Auf dem Umtrunk mit seinen engsten Mitarbeitern anlässlich seiner Hochzeit bezeichnete Frau Brandenburg ihre Schwester als Bordsteinschwalbe in Chanel und wurde erneut arbeitslos. Ihr dritter Schwager, der Reeder Anton Ebentreu, hegte nach Angaben von Zeugen mehr als nur brüderliche Gefühle für seine junge Schwägerin. Frau von Plizewitz-Ebentreu brach ohne zu zögern den Kontakt zu ihrer Schwester ab. Erst nach dem Tod des Reeders sah man die Schwestern wieder zusammen.
Hauptkommissarin Mansur bestellte Frau Brandenburg in das Präsidium und konfrontierte sie mit den Ermittlungsergebnissen. Frau Brandenburg bestritt alle Vorwürfe. Während Inspektor Harks das Verhör beharrlich weiterführte, fragte Hauptkommissarin Mansur plötzlich unvermittelt: „Als Sie ihre tote Schwester sahen, haben Sie gerufen ‚Es war doch nur ein Scherz, Martina!’ Warum, Frau Brandenburg?“
„Ich, ich, ich weiß nicht!“, stotterte sie.
„Sie sehen Ihre Schwester im eigenen Blut liegen und sprechen von einem Scherz. Was haben Sie damit gemeint?“
Überrascht zuckte Inspektor Harks zusammen, als Frau Brandenburg von ihrem Stuhl aufsprang und verzweifelt schrie: „Weil es nur ein Scherz war! Ein Scherz! Ich habe doch nur mit Frau Hendriks rumgealbert!“ Nach diesem Ausbruch setzte sich Frau Brandenburg wieder hin und verbarg ihr Gesicht hinter ihren Händen. „Sie hat mich missverstanden!“, schluchzte sie. „Sie muss verrückt sein. Suchen Sie Frau Hendriks! Sie hat meine Schwester erschossen!“
Nach dem Verhör ließ Hauptkommissarin Mansur die Schwester der Ermordeten auf freiem Fuß, ordnete jedoch an, dass sie rund um die Uhr beschattet werden sollte.
„Da hat aber jemand nicht viel Phantasie!“, sagte Inspektor Harks. „Tischt uns die gleiche Geschichte wie im Film auf.“
„Hm, vielleicht, aber können wir sicher sein, dass es nicht stimmt?“
„Mensch, glaubst du das Ammenmärchen etwa?“
„Wenn es stimmen würde, hieße es, dass Frau Brandenburg in absehbarer Zeit einen gewissen Herrn Hendriks ermorden wird.“
„Aber leider oder Gottseidank gibt es unter den Gästen weder einen Herrn noch eine Frau Hendriks“, warf Inspektor Harks ein. „Mal abgesehen davon, welchen Grund hätte Frau Brandenburg ihren Teil der Abmachung einzuhalten? Sie hat bekommen, was sie wollte!“
Die Hauptkommissarin nickte zustimmend. „Also, wo stehen wir, Markus? Erstens, wie immer in ihrem Leben beachtet niemand Frau Brandenburg. Sie schleicht sich unbemerkt aus dem Saal. Wie sie vermutet, ist ihre Schwester in der Garderobe und macht sich für ihren Auftritt zurecht. Wenn sie zu spät in die Vorstellung kommt, würden sich aller Augen auf sie richten. Frau Brandenburg erschießt ihre Schwester und läuft unbemerkt von den Angestellten, die mit dem Abräumen der Tische beschäftigt sind, aus der Kunsthalle und lässt die Waffe verschwinden. Sie rennt zurück und taucht als erste hinter mir in der Garderobe auf. Später tischt sie uns dein sogenanntes Ammenmärchen auf. Zweitens: Frau Hendriks existiert wirklich. Und verdammt noch mal, mir spukt der Name im Kopf herum! O.k., Frau Hendriks setzt also ihren Teil der Abmachung sofort in die Tat um. Was bleibt, ist die Frage, wer und wo ist Frau Hendriks und wie geht es ihrem Mann?“
„Um ihn habe ich keine Angst“, meinte der Inspektor. „Wie gesagt, Frau Brandenburg hat was sie will. Warum sollte sie ihn ermorden?“
„Ja, warum?“, fragte die Hauptkommissarin nachdenklich. „Haben wir ein Drittens übersehen, Markus?“
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