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2. April 2013

Kunst erwandern


 
Keramik Tone Ladegård Thideman

In vielen Regionen Schwedens kann man während des Osterwochenendes sogenannte ”Kunstwanderungen” unternehmen. Maler, Bildhauer, Fotografen u.v.a. öffnen ihre Ateliers für die Öffentlichkeit. Die Spannbreite reicht dabei vom Hobbykünstler bis zu international anerkannten Größen. Die Besucher können nicht nur Kunstwerke verschiedenster Coleur anschauen, sondern auch sehen wo sie entstanden sind. 
Atelier Peder Istad
Die jeweiligen Künstler stehen für Gespräche zur Verfügung und geben bereitwillig Auskunft über ihre Arbeitsweise. „Konstvandring“ - Eine schöne, zwanglose Art sich Kunst „zu erwandern“.

Wie es wohl wäre, wenn wir Autoren der Öffentlichkeit auf diese Weise Einblick in unsere Arbeit gewähren würden?

1. März 2013

Der exhibitionistische Autor

Kürzlich habe ich eine Kunstausstellung besucht, in der es erlaubt und auch erwünscht war, die Werke anzufassen. Zum Teil konnte man sogar in sie hineingehen. Für mich war es ein besonderes Erlebnis, Kunst nicht nur aus gebührendem Abstand zu betrachten, sondern auch zu erfühlen und z. B. die Wirkung von Licht auf das jeweilige Werk aus verschiedensten Perspektiven zu erleben.
Wie es wohl wäre, wenn man der Mona Lisa über die Wangen streichen dürfte? Oder ein Gemälde van Goghs berühren und so eine Brücke zum Maler schlagen könnte? Soweit wird es aber nicht kommen. Überall lauern Wärter und drängen auf einen Sicherheitsabstand. Kunst zu erleben ist in aller Regel ein beschränktes Erlebnis.
Sind wir Autoren nicht exhibitionistisch? Wir legen unsere Gedanken und Phantasien offen, ohne dass ein Wärter den Leser gemahnt gebührenden Abstand zu halten. Der Leser kann alles, was wir ihm anheim geben, mit sich tragen, sein Eigen machen, nach seinem Gusto weiterentwickeln und formen.
Was wohl geschehen würde, wenn wir so mit Kunstwerken umgehen dürften? Picassos „Blaube Taube“ ausgemalt? Beuys´ Installation zur Seite gerückt?

13. September 2012

Eiskalte Kunst – Der Vergänglichkeit preisgegeben

Wie unendlich motiviert muss Peder Istad sein? Welchen Antrieb muss man haben, wenn man weiss, dass die geschaffenen Kunstwerke nach drei Wochen, mit etwas Glück nach zwei Monaten, geschmolzen sind?
Peder Istad ist Eis- und Schneekünstler. In Skandinavien, Grönland, der Antarktis waren seine Skulpturen bereits zu sehen. Das norwegische Königshaus gehört zu seinen Bewunderern.
Neben dem künstlerischen Prozess steckt auch sehr viel körperliche und handwerklichen Arbeit in der Umsetzung seiner Ideen. Die Eisblöcke zum Beispiel, die der Norweger für seine Arbeiten verwendet, können mehrere Tonnen schwer sein. Für deren Bearbeitung ist „schweres“ Gerät notwendig, das eher an einen Hausbau, denn an feine künstlerische Arbeiten denken lässt. Nur, welches Haus wird bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt erstellt?
Auf seiner Homepage erhält man einen wunderbaren Überblick über Peder Istads eiskalte Kunst. Einen Besuch kann ich Euch nur empfehlen.

22. Oktober 2010

Every picture tells a story


"COPPICE FOREST" von Niklas Eneblom (...) Nur noch ein paar Schritte trennen die Beiden. Gleich wird er seine Pranke auf ihre Schulter legen. Sie an sich heranziehen, sie dann ... Die Angst vor dem, was kommen wird, gibt ihr Kraft. Die Frau beschleunigt ihr Tempo. Sie hört den Fremden hinter ihr stöhnen. Weiter und weiter läuft sie in den Wald hinein. Fort von ihm, Hauptsache fort. Die Fremde ist jung, schlank und trainiert. Nicht so wie er. Immer weiter entfernt sich die Frau von ihm. Eben noch hätte er nach ihr greifen können. Fast, fast hätte er es geschafft. Wäre sie nicht von der Straße in den Wald hineingelaufen, hätte er sie packen und zurückhalten können. Seine Lunge scheint zu zerreißen, seine Kehle ist wie zugeschnürt. Stöhnend sackt er zusammen. Der Mann hatte die Fremde warnen wollen. Nur eine Minute hatte er verstreichen lassen wollen. Eine Minute, um Vertrauen zu schaffen, damit sie ihm glaubt. (...)
aus: „Vertrauen?“ von Lola Victoria Abco.

Erzählungen inspirieren mich. Während ich lese, entstehen Bilder in meiner Phantasie. Manchmal ist es bei mir aber auch andersherum. Ich sehe ein Bild und während ich es betrachte, entsteht in meiner Phantasie eine Erzählung. So ist es mir bei „Frau vor der untergehenden Sonne“ von Caspar David Friedrich ergangen und kürzlich bei einer Ausstellung des schwedischen Malers Niklas Eneblom. Jedes seiner Bilder habe ich wie einen Aufhänger zu einer neuen Erzählung empfunden.
Eine Frau läuft in einen Wald hinein. Ein Mann folgt ihr. Weshalb läuft sie fort? Weshalb läuft er hinter er ihr her? Was verbirgt sich dort im Hintergrund, verdeckt von den Bäumen? Diese Frage stellte ich mir, als ich „Coppice Forest“ das erste Mal gesehen habe. Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten. Innerhalb von wenigen Augenblicken sah ich nicht nur das Bild, sondern auch die Geschichte dazu. Ich habe sie aufgeschrieben und „Vertrauen?“ genannt. Vielleicht wollt Ihr eure eigene Erzählung heraufbeschwören? Auf der Homepage von Niklas Eneblom könnt Ihr einige seiner Bilder sehen. Übrigens, Niklas gibt seinen Werken immer englische Titel – „weil es cool klingt!“ Ich bleibe seinem Motto treu und nenne diesen Artikel – frei nach Rod Stewart – „Every picture tells a story.“